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Göppinger Erklärung

Offener Brief an die Bundesregierung

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Mitglieder und Unterstützer der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Göppingen wenden wir uns mit dieser Göppinger Erklärung an Sie. Wir formulieren darin Leitlinien und dringliche Reformvorschläge, gespeist aus der Praxis mittelständischer Unternehmen, aus kommunaler Erfahrung und aus dem Alltag vieler Bürgerinnen und Bürger.

Unser Leitgedanke ist einfach: Mehr Verantwortlichkeit des Bürgers in allen Lebensbereichen. Deutschland braucht wieder mehr Selbstbestimmung, mehr Zumutbarkeit von Verantwortung – und weniger kleinteilige staatliche Gängelung. Wo der Staat sich auf Kernaufgaben konzentriert, entstehen Vertrauen, Leistungsbereitschaft und ein erhebliches wirtschaftliches Spar- und Wachstumspotenzial.

Im Folgenden benennen wir zentrale Handlungsfelder.

1) Verkehr und Mobilität

  • Baustellenmanagement nach Vernunftprinzip: Tätigkeiten wie Rasenmähen, Leitplankenreparaturen oder ähnliche Arbeiten sollten in Hauptverkehrszeiten (z. B. 6–9 Uhr und 16–19 Uhr) unterbleiben. Baustellen sollten erst dann eingerichtet werden, wenn Arbeiten tatsächlich unmittelbar beginnen. Gerade im ländlichen Raum werden so ganze Wertschöpfungsketten ausgebremst.
  • Regulierungsfolgen prüfen: Zusätzliche Pflichten (z. B. wiederkehrende Einweisungen/Prüfungen im Zusammenhang mit Hybrid- und Elektrofahrzeugen sowie Ladeequipment) widersprechen dem Gedanken der Eigenverantwortlichkeit und sollten unterlassen werden. Falls dennoch nötig, müssen sie einheitlich, praxistauglich und verhältnismäßig geregelt sein.
  • Assistenzsysteme realistisch auslegen: Vorgaben, die bei minimalen Abweichungen akustische Warnsignale (z. B. bei Geschwindigkeitsübertretung) auslösen, führen in der Praxis zu Dauerablenkung und werden routinemäßig deaktiviert. Hier braucht es wirksame, nicht nervöse Sicherheitslogik.
  • Geschwindigkeitsregime entwirren: Häufig wechselnde, zeitlich gestaffelte Limits und eng aufeinanderfolgende Schilder erzeugen Unsicherheit und Stau. Wir fordern klare, nachvollziehbare Beschilderung und eine Begrenzung kleinteiliger Regelungszonen. Der Begriff einer kommunalen „Land- und Bundesstraßenpiraterie“ macht nicht ohne Grund zunehmend die Runde.

2) Arbeitsrecht, Beschäftigung und Rente

  • Beschäftigung wieder erleichtern: Das aktuelle Kündigungsrecht führt in vielen Betrieben dazu, dass Neueinstellungen aus Risiko- und Kostengründen unterbleiben. Wir fordern eine grundlegende Reform, die Beschäftigung ermöglicht, statt sie zu verhindern.
  • Gleichbehandlung bei Anreizmodellen: Wenn Modelle wie „Aktivrente“ eingeführt werden, müssen sie praktikabel sein und dürfen Unternehmer nicht strukturell benachteiligen. Aktivrente ist im Moment nicht nutzbar und anwendbar.
  • Rentenrealität anerkennen: Der Generationenvertrag ist seit langem unter Druck. Wir fordern eine Reform, die Leistung, Einzahlungsdauer und Nachhaltigkeit transparent zusammenführt.

3) Unternehmerische Realität, Steuern und Standortlogik

  • Zugang zu Finanzierung verbessern: Unternehmer werden bei privaten Krediten teils schlechter gestellt als Angestellte. Das ist standortschädlich. Wir fordern faire Kreditbedingungen und eine sachgerechte Bewertung von Unternehmern.
  • Private Immobilie bleibt privat: Wenn geschäftsführende Gesellschafter privat erworbene Immobilien besitzen, darf deren Nutzung durch die Firma nicht automatisch zu einer Zurechnung zum Betriebsvermögen führen. Das blockiert Vermögensaufbau und Sicherheitenbildung.
  • Solidaritätszuschlag abschaffen: Der Solidaritätszuschlag gehört vollständig abgeschafft.
  • Scheinselbstständigkeit neu ordnen: Die aktuelle Ausgestaltung verhindert häufig den Einstieg in Selbstständigkeit. Wir fordern eine praxisnahe Reform, die echte Selbstständigkeit ermöglicht und Missbrauch gezielt bekämpft.
  • Wegzugsbesteuerung reformieren: Die bestehende Logik erzielt teils das Gegenteil des Gewollten. Hier braucht es eine standortfördernde Neuregelung.
  • Steuerverwaltung: Vertrauen statt Einschüchterung: Der Eindruck, dass öffentliche Unternehmeräußerungen zu überproportionalen Prüfungen führen, beschädigt Vertrauen. Wir fordern Transparenz, Verhältnismäßigkeit und klare Standards.
  • Corona-Hilfen rechtssicher behandeln: Pauschale Rückforderungen ohne nachvollziehbare Begründung gefährden Existenzen. Wir fordern Einzelfallprüfung, Begründungspflicht und Rechtssicherheit.
  • Unternehmensnachfolge erleichtern: Die Übernahme durch die nächste Generation wird durch Auflagen und Unsicherheit unattraktiv. Wir fordern eine Nachfolgeregelung, die Sanierung, Modernisierung und Verantwortung ermöglicht.
  • Gründungs- und Aufbauphase entlasten: Neue Betriebe sollten für eine definierte Anfangszeit (z. B. fünf Jahre) spürbar entlastet werden (Gewerbesteuer, IHK/Handwerkskammer, GEMA u. a.), gekoppelt an nachweisliche Arbeitsplatzschaffung.
  • Lohnnebenkosten begrenzen: Lohnnebenkosten müssen planbar und gedeckelt werden; sie sind ein zentraler Standortfaktor.

4) Kommunen und Gemeinden: Kernaufgaben stärken

  • Fokus auf Pflichtaufgaben: Kommunen sollten sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und nicht in Wettbewerb zu privaten Unternehmen treten.
  • Ansiedlung erleichtern: Zeitlich befristete Steuerentlastungen als Anschubfinanzierung können Ansiedlungen fördern und einen produktiven Wettbewerb der Kommunen ermöglichen.
  • Daseinsvorsorge in kommunaler Handlungsfähigkeit: Müll, Strom, Wasser, Abwasser, Internet/Kommunikation, Sicherheit und Katastrophenschutz brauchen klare Zuständigkeit, Hoheit und Umsetzungsfähigkeit.
  • Digitalisierung konsequent: Gewerbeanträge und Verwaltungsprozesse müssen vollständig digital möglich sein.
  • Flächenentwicklung pragmatischer: Brachflächen sollten einfacher entwickelbar sein; Priorität müssen Arbeitsplätze und wirtschaftliche Substanz haben.
  • Krisenfähigkeit testen: Notfallpläne sollten jährlich realitätsnah getestet werden – inklusive Sammelpunkten, Abläufen und Unterstützung für ältere Menschen.

5) Gebäude- und Mietrecht

  • Eigentumsrechte wirksam schützen: Wenn Miete dauerhaft ausbleibt, müssen Verfahren deutlich schneller und klarer sein. Der aktuelle Zustand entmutigt Vermieter und verknappt Wohnraum.
  • Wohnraum für Beschäftigte fördern: Betriebe sollten Programme unterstützen können (z. B. Bürgschaften), damit Mitarbeitende leichter wohnen können.

6) Bildung

  • Wirtschaft und Handwerk in die Schule: Wirtschaftliche Grundbildung und Handwerk müssen verbindlicher Bestandteil schulischer Bildung werden.
  • Praxis in die Klassenzimmer: Unternehmer und Praktiker sollten stärker in Schulen präsent sein – mit Vorträgen, Betriebsbesuchen und Einblicken in reale Arbeitswelten.

7) Gesundheit

  • Anreize für Gesundheit und Verlässlichkeit: Das Gesundheitswesen basiert auf dem Prinzip gleicher Zugangsrechte und einer verlässlichen Versorgung für alle – unabhängig von individuellen Lebensweisen. Gleichzeitig braucht es eine stärkere Ausrichtung auf Prävention und Eigenverantwortung: Wer gesund lebt und das System weniger belastet, sollte spürbar profitieren. Entscheidend sind hierbei positive Anreize und transparente Informationen, die gesundheitsbewusstes Verhalten erleichtern und fördern.
  • Karenztage wieder einführen: In diesem Zusammenhang halten wir die Wiedereinführung von zwei Karenztagen pro Krankheitsfall für sinnvoll. Sie sind kein Instrument der Einschränkung medizinischer Versorgung, sondern dienen der Stärkung von Eigenverantwortung und der Reduktion von Fehlanreizen im System.
  • Transparenz im Gesundheitswesen: Rechnungen und erbrachte Leistungen werden bereits in Teilen offengelegt. In der Praxis bleibt diese Transparenz jedoch häufig schwer zugänglich, wenig verständlich oder für Versicherte nur mit erheblichem Aufwand nutzbar. Transparenz entfaltet ihre Wirkung erst dann, wenn Informationen nicht nur formal verfügbar sind, sondern auch auffindbar, verständlich und vergleichbar aufbereitet werden. Eine wirksame Weiterentwicklung besteht daher nicht primär in der Ausweitung von Offenlegungspflichten, sondern in der systematischen Verbesserung von Struktur, Lesbarkeit und Zugänglichkeit der bestehenden Informationen. Erst dadurch entsteht eine Grundlage für Vertrauen sowie für informierte Entscheidungen im Umgang mit der eigenen Gesundheit.[1] Formale Transparenz ersetzt keine funktionale Transparenz.

8) Zuwanderung und Arbeitsmigration

  • Arbeitsmigration ermöglichen: Wenn Unternehmen Fachkräfte aus dem Ausland einstellen, muss das Verfahren schnell, rechtssicher und familienfreundlich sein – unter klaren Bedingungen (Wohnraum, keine Belastung von Kommune/Staat).
  • Integration pragmatisch fördern: Sprach- und Integrationsangebote sollten gezielt und wirksam sein.
  • Rechtsstaatlichkeit konsequent: Identitätsklärung und Umgang mit Straffälligkeit müssen klar geregelt und durchsetzbar sein.

9) Zielbild für Deutschland

Deutschland braucht ein gemeinsames Zielbild, das Leistung, Verantwortung, Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt verbindet. Ohne Richtung entsteht Verwaltung – aber keine Zukunft.

Das vorhandene Grundgesetzt müsste nur Konsequent Anwendung finden es ist keine Auslegung Sache.

10) Europa und seine Aufgaben

Europa sollte sich auf zentrale Aufgaben konzentrieren:

  • Frieden sichern
  • Energieversorgung sichern
  • Ernährungssouveränität stärken
  • Gemeinsamen, fairen Umweltschutz gewährleisten
  • Reise- und Arbeitsfreiheit fördern
  • Außengrenzen schützen
  • Europäische Interessen bei Bedarf gemeinsam vertreten
  • Nordafrika und den Balkan enger anbinden

Dabei gilt: Keine Einmischung in nationale Kulturen, Sprachen oder Glaubensfragen. Europas Stärke liegt in der Vielfalt seiner Kulturen – nicht in Gleichschaltung.

Schluss

Wir bitten die Bundesregierung, diese Vorschläge als Impuls aus der Praxis zu verstehen und in geeigneter Form in Gesetzgebung und Verwaltungshandeln zu prüfen. Deutschland braucht wieder mehr Vertrauen in die Mündigkeit seiner Bürgerinnen und Bürger – und einen Staat, der sich auf das Wesentliche konzentriert.

Wir bitten die Bundesregierung, diese Vorschläge als praxisnahe Impulse aufzugreifen und in geeigneter Form in Gesetzgebung und Verwaltungshandeln zu prüfen.
Deutschland braucht mehr Vertrauen in die Mündigkeit seiner Bürgerinnen und Bürger – und einen Staat, der sich auf wirksame Rahmenbedingungen konzentriert.

Die MIT Göppingen steht bereit, diesen Prozess mit ihrer fachlichen Expertise konstruktiv und aktiv zu begleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Mittelstands- und Wirtschaftsunion Göppingen

Ralf Semmler (Vorsitzender)    Susanne Gminder, Matthias Mundorff (Stellvertreter)


[1] Transparenz im Gesundheitswesen Hradecky, D. (2025). Transparenz im Gesundheitswesen. Springer Nature. https://doi.org/10.1007/978-3-658-48125-4 (Die Autorin ist Vorstandsmitglied MIT-Göppingen)

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Zielbild Deutschland – Eine leistungsstarke, freie und verantwortungsbewusste Gesellschaft

Das verbindende Leitmotiv

Deutschland ist eine Gesellschaft, die Freiheit ermöglicht, Verantwortung und Eigenverantwortung einfordert, Leistung würdigt und Zusammenhalt lebt – national wie europäisch.

1. Die Jugend als wertvollster Rohstoff –Verantwortung beginnt in der Familie

Deutschland versteht seine Jugend als das kostbarste Gut einer freien Gesellschaft. Jedes Kind hat Anspruch auf Bildung, Förderung und echte Chancengleichheit.
Die primäre Verantwortung dafür liegt bei den Eltern – nicht beim Staat. Staatliche Institutionen können unterstützen, aber sie können Erziehung, Wertevermittlung und Verantwortungsbewusstsein nicht ersetzen.


Eine Gesellschaft, die ihre Zukunft sichern will, stärkt Familien darin, diese Verantwortung wahrzunehmen, indem sie entsprechende Rahmenbedingungen schafft.

2. Familie, Gleichberechtigung unD   gesellschaftlicher Zusammenhalt

Die Familie – in ihrer modernen Vielfalt – bildet das soziale Fundament des Landes.
Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist nicht nur ein Wert, sondern eine Voraussetzung für Wohlstand, Stabilität und gesellschaftliche Resilienz.


Deutschland fördert Rahmenbedingungen, die Familien stärken, und baut Maßnahmen ab, die Eigenverantwortung, Gleichberechtigung oder familiären Zusammenhalt schwächen.


Eine starke Gesellschaft entsteht dort, wo Menschen füreinander einstehen.

3. Unternehmertum als Motor von Wohlstand und Fortschritt


Gesellschaften werden nicht primär durch Politik gestaltet, sondern durch Menschen, die unternehmen – im Ehrenamt, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft.


Unternehmertum bedeutet Mut, Verantwortung, Kreativität und Risikobereitschaft.
Deutschland schafft ein Umfeld, in dem Leistung belohnt, Innovation ermöglicht und Bürokratie abgebaut wird.
Wohlstand entsteht dort, wo Menschen gestalten dürfen – nicht dort, wo sie verwaltet werden.

4. Deutschland als souveräner Akteur – mit klaren Interessen und festem Bekenntnis zu Europa

Deutschland hat kulturelle, sicherheitspolitische und wirtschaftliche Interessen.
Wie jedes andere Land hat es das Recht, diese Interessen zu definieren, zu schützen und international zu vertreten – verantwortungsvoll, partnerschaftlich und selbstbewusst.


Gleichzeitig ist das Bekenntnis zu Europa ein unverhandelbarer Grundpfeiler deutscher Identität. Europäische Zusammenarbeit stärkt Deutschlands Handlungsfähigkeit, sichert Frieden und ermöglicht wirtschaftliche Stabilität.


Souveränität und europäische Verbundenheit stehen nicht im Widerspruch – sie bedingen einander.

5. GESUNDHEIT ALS GRUNDLAGE VON FREIHEIT, LEISTUNGSFÄHIGKEIT UND VERANTWORTUNG

Gesundheit ist eine zentrale Voraussetzung für individuelle Freiheit, gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Ein leistungsfähiges Gesundheitswesen sichert allen Menschen eine verlässliche und hochwertige Versorgung – unabhängig von individuellen Lebensweisen oder sozialem Hintergrund.

Gleichzeitig stärkt Deutschland die Eigenverantwortung seiner Bürgerinnen und Bürger durch gezielte Prävention, transparente Informationen und wirksame Anreizsysteme. Gesundheitspolitik setzt dabei nicht erst im Krankheitsfall an, sondern schafft Rahmenbedingungen, die gesundheitsbewusstes Verhalten erleichtern und langfristig fördern.

Ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem verbindet somit verlässliche Versorgung mit intelligenter Steuerung – und trägt damit wesentlich zu Stabilität, Vertrauen und nachhaltigem Wohlstand bei.

Mittelstands- und Wirtschaftsunion Göppingen

Ralf Semmler (Vorsitzender)    Susanne Gminder, Matthias Mundorff (Stellvertreter)

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Presse

MIT-Kreisverbände: Keine Grundlage mehr für Zusammenarbeit

Rücktritt von Landeschef Bastian Atzger gefordert – „Politisch ins Abseits geführt“

Kreis Göppingen. Zehn mitgliederstarke Kreisverbände der Mittelstandsunion (MIT) in Baden-Württemberg, haben den Landesvorstand der Organisation um Bastian Atzger, zum Rücktritt aufgefordert. Zu den Kreisvorsitzenden, die ein entsprechendes Schreiben unterzeichnet haben, gehört auch der Göppinger MIT-Chef Ralf Semmler.

Anlass für den Unmut über die MIT-Landessitze sind Äußerungen Atzgers im Verbandsmagazin „Wirtschaftsforum“ zum zurückliegenden Landtagswahlkampf der CDU und ihres  Spitzenkandidaten Manuel Hagel. „Ihre Aussagen stoßen bei den Unterzeichnern dieses Offenen Briefs auf Unverständnis und Verärgerung. Herr Atzger, Sie sprechen mit Ihrer Wortwahl und dieser Art der Kommunikation nicht für uns“, heißt es in dem Schreiben der MIT-Kreisverbände. Der Göppinger MIT-Kreisvorsitzende Ralf Semmler betont: „ Als Landesvorsitzender der MIT ist es Atzgers Aufgabe, sich konstruktiv in Strategie und Inhalte der Landespartei einzubringen – nicht, im Nachhinein öffentlich gegen die eigene Partei zu polemisieren.“  Als Mitglied des CDU-Landesvorstands hätte Atzger dort die Position des Mittelstandes einbringen können – und müssen. Stattdessen trete er nun im Nachgang besserwisserisch nach.  Dies sei stillos und nicht konstruktiv.

Die die Rücktrittsforderung unterzeichneten zehn Kreisverbände werfen Atzger zudem vor, die MIT Baden-Württemberg organisatorisch wie politisch ins Abseits geführt zu haben. „Mitgliederzahlen und Finanzen hätten sich deutlich negativ entwickelt – die MIT Baden-Württemberg verzeichne die meisten Austritte bundesweit, während andere Landesverbände wachsen würden. „Das ist ein alarmierendes Zeichen und Ausdruck Ihrer fehlenden Führung.“

Für die MIT-Kreisverbände ist klar: Es gibt keine Grundlage mehr für eine Zusammenarbeit mit Atzger an der Spitze der MIT Baden-Württemberg. „Wir fordern Sie auf, Ihr Amt als Landesvorsitzender mit sofortiger Wirkung niederzulegen und den Weg für eine personelle und inhaltliche Neuaufstellung freizumachen. Hierzu halten wir einen außerordentlichen Landesmittelstandstag zur Aufarbeitung der Situation für dringend erforderlich“, heißt es in dem Schreiben.

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Eine Wahlveranstaltung morgens um 10 Uhr?

Kommt da überhaupt jemand? Der CDU- Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretär im Digitalministerium, Philipp Amthor, füllt auch um diese Uhrzeit schnell das Nebenzimmer in der Villa Gutmann in Göppingen. Zehn Minuten vor Beginn der Veranstaltung war der Zustrom Interessierter, darunter auch zahlreiche MIT-Mitglieder, so groß, dass die Gastgeberin, die Landtagsabgeordnete Sarah Schweizer, kurzerhand die Veranstaltung ins Freie auf den Bahnhofsplatz vor die Villa Gutmann verlegte. Rund 100 Interessierte lauschten dem populären Abgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern was dieser zu aktuellen innen- und außenpolitischen Themen zu sagen hatte. Bürokratierückbau – „wir brauchen mehr Realwirtschaft weniger Zettelwirtschaft“, Digitalisierung – „auch in der Verwaltung“, weniger Berichtspflichten im Gesundheitswesen und die Verteidigung demokratischer Grundrechte schnitt der Abgeordnete an. Der Abgeordnete pries zudem seine Gastgeberin, die Landtagsabgeordnete Sarah Schweizer. Sie sei eine Politikerin, die nicht nur durch ihre große Sachkenntnis auffalle, sondern auch die Themen und Probleme beim Namen nenne. Der Staatsekretär rief seine Zuhörer dazu auf, mehr Optimismus, Mut und Zuversicht zu verbreiten. Von der Schlechtrederei und Miesmacherei einer anderen Partei sollte man sich nicht anstecken lassen.